Jakob Krautauer

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Die an der Bodenplatte eingeschlagene Punze verrät uns den Hersteller des Tafelaufsatzes: Jakob Krautauer, einen der wichtigsten Silberschmiede der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wien. Er wurde um 1771/72 in Wien geboren und von 1785 bis 1787 ging er bei seinem Vater, dem bekannten Silberschmied Ignaz Krautauer, von dem einige hochwertige Silberarbeiten bekannt sind, in die Lehre. Nach dessen Tod 1787 übernahm seine Ehefrau Maria Anna im Witwenfortbetrieb die Werkstatt, wo deren Sohn Jakob 1787 bis 1788/89 seine Lehre beendete. Nach der Meisterprüfung wurde Jakob Krautauer 1795 in die Innung aufgenommen und daraufhin das Gewerbe verliehen; anschließend konnte er die Werkstatt von seiner Mutter übernehmen. Erst im Jahr 1796 bekam er das einem Handwerksmeister zustehende Wiener Bürgerrecht, damals wohnhaft im Taschnergässchen 579 (ursprüngliche Verlängerung des Bauernmarkts; heute in etwa an der Stelle des Bauernmarkt 15). Schon vomselben Jahr sind beträchtliche Steuerleistungen überliefert, die auch zu der hohen Anzahl erhaltener Objekte aus seiner Werkstatt passen. Schon im Jahr 1824 legte er das Gewerbe (vermutlich vorübergehend) wieder zurück, ist aber bis 1845 noch in den Innungslisten genannt; von 1836-1844 allerdings mit dem Vermerk „Nichtbetrieb“. 1835 nimmt er mit seinem 1794 gefertigten Meisterstück, einer Kaffeekanne, an der ersten Allgemeinen österreichischen Gewerbsproduktenausstellung in Wien teil. In der zweiten Allgemeinen österreichischen Gewerbsproduktenausstellung in Wien im Jahre 1839 war er mit einem Dessertteller und einem großen Tafelaufsatz aus 15-lötigem Silber (Feingehalt von 937,5/1000) vertreten, von denen es hieß: „[…], welche als eine vollendete, kunstgemäße Arbeit besondere Aufmerksamkeit erregten […]“. Zum Meister selbst, der bereits als „gewesener bürgerl. Silberarbeiter“ bezeichnet wurde, hieß es weiter: „[…] und zugleich bedauern ließen, daß der Herr Aussteller im noch thatkräftigen Alter sich vom Geschäfte zurückgezogen hat, in dem er, bloß nach den ausgestellten Arbeiten zu schließen, noch manche, der österreichischen Industrie zur Ehre gereichende, Erzeugnisse geliefert hätte“. Möglicherweise hatte er durch seine Arbeit bereits ein ausreichend großes Vermögen erwirtschaftet, um sich aus dem Arbeitsleben zurückziehen zu können. Im Rahmen dieser Ausstellung wurde Krautauer auch eine Medaille zur „Aufmunterung der industriellen Thätigkeit“ verliehen, wohl eher aber als Auszeichnung für sein Lebenswerk zu verstehen. Seine Frau Maria Anna Voigt starb bereits 1837. Jakob Krautauer folgte ihr am 3. April 1845 nach und wurde am „Leichenhof vor der Matzleinsdorfer Linie“ bestattet.

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